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Der große Überblick · Lesezeit etwa 9 Minuten · von Günter Bonin

Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS): der ehrliche Eltern-Ratgeber

„Ich bin zu blöd. Ich lerne das nie."

Diesen Satz hat mein Sohn über Monate fast jeden Nachmittag gesagt, am Küchentisch, bei den Hausaufgaben. Ich bin Lehrer, über zwanzig Jahre Nachhilfe, und trotzdem saß ich daneben und wusste nicht weiter. Uns fehlte nicht nur eine Lösung. Uns fehlte ein Name für das Problem.

Dieser Name ist Lese-Rechtschreib-Schwäche. Der Moment, in dem wir begriffen haben, dass dieses Ringen einen Namen hat, dass tausende Familien dasselbe erleben und dass es erprobte Wege hinaus gibt, hat aus zwei Hilflosen zwei Suchende gemacht.

Diese Seite ist die Landkarte für deinen Weg: der ruhige Überblick über alles, was du über LRS wissen musst, und an jeder Stelle der Weg tiefer, dorthin, wo es für dich gerade drängt.

Kurz gesagt

Eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS, oft Legasthenie genannt) ist eine hartnäckige Schwierigkeit beim Lesen- und Schreibenlernen, die nichts mit Intelligenz, Faulheit oder Erziehung zu tun hat. Sie entsteht durch Veranlagung und betrifft nur den Erwerb der Schrift. Mit der richtigen Förderung und einem stabilen Selbstwert gehen betroffene Kinder ihren ganz normalen Weg.

Von „Was ist das eigentlich?" bis „Was steht meinem Kind zu?": Hier bekommst du den ganzen Überblick, entlastend, ehrlich und ohne Panik. Jeder Abschnitt führt dich bei Bedarf in den passenden Vertiefungs-Artikel.

Was ist eine LRS, und was nicht?

Sprechen lernt ein Kind von allein. Schrift ist dagegen eine Erfindung, für die unser Gehirn keine fertige Abteilung hat: Jedes Kind muss sich sein Lese- und Schreibnetzwerk mühsam selbst verdrahten. Bei manchen Kindern braucht das deutlich mehr Zeit und eine bessere Anleitung. Das ist eine LRS. Kein Defekt, sondern eine andere Startposition beim Erlernen einer Kulturtechnik.

„LRS" und „Legasthenie" meinen im Alltag dasselbe. Der Fachstreit um die Begriffe muss dich nicht kümmern, denn was deinem Kind hilft, hängt nicht am Etikett.

Ist mein Kind dumm? LRS und Intelligenz

Die Frage, die am meisten wehtut, und die Antwort ist ein klares Nein. Eine LRS hat mit Intelligenz nichts zu tun. Kinder mit LRS gibt es in jeder Begabungsstufe, von durchschnittlich bis hochbegabt. Gerade kluge Kinder überspielen ihre Schwäche oft lange, deshalb fällt sie bei ihnen spät auf.

Weiterlesen: Warum eine LRS nichts mit Intelligenz zu tun hat →

Woran erkenne ich eine LRS?

Achte nicht auf einen einzelnen Punkt, sondern auf das Muster über Wochen: langsames, ratendes Lesen; dasselbe Wort mehrfach unterschiedlich falsch geschrieben, trotz Übung; und die Vermeidung, das Bauchweh, der Satz „ich bin zu dumm". Ein einzelnes Anzeichen bedeutet noch nichts, das Zusammenspiel schon.

Weiterlesen: Die typischen Anzeichen, und was sie nicht bedeuten →

Was wirklich hilft, und was Geldverschwendung ist

Es gibt kein Wunder bis Weihnachten, und jeder, der dir das verspricht, will vor allem eines: dir etwas verkaufen. Was wirklich hilft, ist systematische, kleinschrittige Förderung am richtigen Punkt, in kurzen Einheiten, mit Erfolgserlebnissen. Eine einfache Faustregel spart dir viel Geld: Lesen lernt man durch Lesen, Schreiben durch Schreiben. Eine Methode, in der dein Kind nicht liest und schreibt, fördert das Lesen und Schreiben nicht.

Zu Hause üben ohne Streit

Bei einer LRS bringt bloßes Mehr-Üben wenig, wenn es unter Druck passiert, denn ein gestresstes Gehirn lernt schlecht. Kurze, feste Einheiten, spielerisch und mit mehreren Sinnen, und die Beziehung vor dem Stoff: So wird aus dem täglichen Kampf wieder ein Miteinander.

Weiterlesen: Fünf Wege, die wirklich helfen →

Deine Rechte: Nachteilsausgleich und Notenschutz

Dein Kind hat ein Recht auf faire Bedingungen. Der Nachteilsausgleich gibt ihm zum Beispiel mehr Zeit oder vorgelesene Aufgaben, ohne die Anforderungen zu senken. Der Notenschutz nimmt zusätzlich die Rechtschreibung aus der Bewertung. Die genauen Regeln sind Ländersache.

Weiterlesen: Was deinem Kind zusteht und wie du es beantragst →

Wann du dir Hilfe von außen holst

Eine LRS stellst du nicht am Küchentisch fest, das machen Fachleute, oft über die Schule, den schulpsychologischen Dienst oder eine spezialisierte Praxis. Wichtig zu wissen: Die Förderung selbst braucht kein Papier, du darfst heute anfangen. Eine offizielle Diagnose brauchst du vor allem für den Amtsweg, etwa für Nachteilsausgleich oder eine Kostenübernahme.

Der wichtigste Satz

Nicht die Zahl der Rechtschreibfehler entscheidet über die Zukunft deines Kindes, sondern ob es rechtzeitig die richtige Unterstützung bekommt und ob sein Selbstwert die Schulzeit übersteht.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen LRS und Legasthenie?
Im Alltag meinen beide Begriffe dasselbe: eine anhaltende Schwierigkeit beim Lesen und Schreiben, unabhängig von der Intelligenz. Was deinem Kind hilft, hängt nicht am Etikett.
Hat eine LRS mit Intelligenz zu tun?
Nein. Kinder mit LRS finden sich in jeder Begabungsstufe, von durchschnittlich bis hochbegabt. Betroffen ist nur der Erwerb der Schrift.
Kann sich eine LRS auswachsen?
Von allein verschwindet sie in der Regel nicht. Mit der richtigen Förderung lernen Kinder aber sehr gut, damit umzugehen. Je früher man dran ist, desto leichter fällt es.
Was hilft bei LRS wirklich?
Systematische, kleinschrittige Förderung in kurzen Einheiten mit Erfolgserlebnissen. Es gibt kein Wundermittel: Lesen lernt man durch Lesen, Schreiben durch Schreiben.
Brauche ich eine Diagnose, um meinem Kind zu helfen?
Für die Förderung nicht, du darfst heute anfangen. Eine offizielle Diagnose brauchst du vor allem für den Amtsweg, etwa für Nachteilsausgleich oder eine Kostenübernahme.
Günter Bonin mit seinem Sohn

Günter Bonin ist Lehrer, LRS-Trainer und Vater. Er kennt die Lese-Rechtschreib-Schwäche aus dem Unterricht und vom eigenen Küchentisch. Sein Buch »Mama, ich bin DOCH schlau!« macht Eltern Mut.